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Orthopädische Privatpraxis
Dr. med. Eduard Chen
Berliner Platz 6
61476 Kronberg
Tel: 06173 – 60 11 70
Fax: 06173 – 60 11 79

Rückenschmerzen

Rückenschmerzen sind mehr oder minder starke Schmerzen des
menschlichen Rückens, die ganz unterschiedliche Ursachen haben
können. Mediziner sprechen von Dorsalgie (v. lat. dorsum „Rücken"
und griech.algos „Schmerz"), oder von Lumbalgie/Lumbago (lat.
lumbus = Lende), wenn die Lenden-Kreuzbeinregion betroffen ist.

Häufigkeit
In Deutschland haben statistisch gesehen zur Zeit 27-40% der
Menschen Rückenschmerzen. Etwa 70% haben die Schmerzen
mindestens einmal im Jahr und etwa 80% klagen mindestens
einmal im Leben über Rückenschmerzen. Damit erkranken Deutsche
im internationalen Vergleich eher häufig. Vergleiche sind jedoch
schwierig. Von den Abschnitten der Wirbelsäule ist die
Brustwirbelsäule (BWS) hinsichtlich Rückenschmerzen prozentual
am wenigsten betroffen.

Rückenschmerzen sind nach den Infektionen des Atemtrakts die
zweithäufigste Ursache für Arztbesuche. Bei Männern sind
Rückenschmerzen mit 14% die häufigste, bei Frauen mit 11% die
zweithäufigste Ursache für Arbeitsausfälle. Am häufigsten sind
Rückenschmerzen in der Altersgruppe der 50- bis 70-Jährigen zu
verzeichnen. Kinder sind davon nicht ausgenommen - die in der
Schule und vor dem Fernseher oder Computer verbrachten
Stunden begünstigen das Entstehen von Haltungsschäden. Die
volkswirtschaftliche Bedeutung der verschiedenen Erkrankungen
der Wirbelsäule ist enorm. Bei den meisten Frührenten stellt die
Wirbelsäule mehr oder weniger direkt den Anlass zur Berentung
dar, auf diese Gruppe von Krankheitsbildern entfallen die meisten
Arbeitsausfälle.

Ursachen
Der wohl häufigste Anlass für eine Dorsalgie besteht in einer
Funktionsstörung der Gelenke im Bereich der Wirbelsäule. Das
sind die Wirbelgelenke, mit denen die Brustwirbel untereinander
kommunizieren, und die, mit denen die Rippen und die Querfort-
sätze der BWS verbunden sind. Die Scheuermannsche Krankheit
beim Jugendlichen kann im floriden Stadium solche Beschwerden
auslösen. Die später, im Erwachsenenalter bestehenden Verän-
derungen der Wirbelkörper, die dem Zustand nach einer Scheuer-
mannschen Krankheit entsprechen, können ebenfalls diese
Symptome verursachen. In mehr als einem Drittel der Fälle gehen
Rückenschmerzen mit seelischen Belastungen einher, wie etwa
Streß am Arbeitsplatz. Ca. 90% aller chronischen (rezidivierenden
oder persistierenden) Rückenschmerzen sind unspezifisch - d.h.:
Eine Abklärung der Beschwerden führt zu keiner befriedigenden
Diagnose.

Der restliche Anteil verteilt sich als spezifischer Rückenschmerz
auf folgende Krankheitsbilder:
- Wirbelbrüche (v.a. als Osteoporose)
- Spondylolistese (Gleitwirbel), meist im Bereich
der unteren Wirbelsäule
- Bandscheibenvorfälle
- Spinalstenosen (im Sinne eines zu engen Wirbelkanals)
- eine Instabilität der Wirbelsäule
- Entzündungen wie der Morbus Bechterew
- Tumoren der Wirbel (primäre Tumoren und - häufiger -
Metastasen)

Diagnostik
Zunächst ist es wichtig, zu erfahren, wann und bei welcher
Gelegenheit die Schmerzen erstmals aufgetreten sind, ob sie sich
allmählich gesteigert haben oder plötzlich auftraten und insbe-
sondere, ob sie bewegungsabhängig sind. Die Frage, wann sich die
Schmerzen verstärken, schließt sich an, ebenso, ob es am Tage
schlimmer ist oder beim Schlafen. Bei der klinischen Untersuchung
fallen die verquollene Muskulatur und der örtliche Druckschmerz
auf. Ist ein Rippengelenk beteiligt, hebt sich die zugehörige Rippe
aus dem Relief des Brustkorbes ab.

Apparatediagnostik ist manchmal notwendig, um andere, nicht so
harmlose Ursachen der Beschwerden auszuschließen oder festzu-
stellen. Bleiben bei entsprechenden Verdachtsmomenten weiterhin
Unklarheiten, sind auch Computertomographie oder Kernspintomo-
graphie erforderlich. Eine unverzügliche Abklärung ist bei Lähmun-
gen erforderlich, sowie bei Störungen der Blasen- und Mastdarm-
funktion.

Therapie
Zur Vorbeugung wichtig ist stabilisierende Gymnastik und Aus-
gleichssport. Sitzende Berufe (Bürotätigkeiten, Berufskraft-
fahrer) sind weit häufiger von Rückenschmerzen betroffen als
Schwerarbeiter. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der
Beschwerden. Allerdings handelt es sich bei der überwiegenden
Anzahl von Schmerzepisoden um ein vorübergehendes Ereignis,
das nur einer symptomatischen Therapie (Schmerzmittel, Kran-
kengymnastik, Massage, Fango etc.) bedarf. Die Leitlinien der
orthopädischen Fachgesellschaft und der Arzneimittelkommission
der Deutschen Ärzteschaft betonen, dass nur Maßnahmen lang-
fristig nützlich sind, die die aktive Mitarbeit des Patienten einbe-
ziehen. Monate- oder jahrelang fortgesetzte Interventionen mit
passivierenden Therapien müssen vermieden werden, weil sie die
Chronifizierung des Rückenschmerzes fördern.

Osteopathie, manuelle Medizin, Entspannungsübungen, autogenes
Training, Massagen oder Elektromassagen können oft mit gutem
Erfolg angewendet werden, lokale Infiltrationen lockern den Be-
reich. Physiotherapeutische Maßnahmen werden von den meisten
Patienten als wohltuend erlebt, das Kosten/Nutzen-Verhältnis wird
von den Versicherern jedoch oft als unangemessen bezeichnet und
Studien, die deren Nutzen belegen, sind spärlich vorhanden. Die
erfolgreiche Wirksamkeit der Akupunktur wurde in Deutschland in
den letzten Jahren in einer vergleichenden Studie untersucht
(Dokumentation des AOK-Bundesverbandes). Auch Yoga und die
Feldenkrais-Methode werden bei Rückenschmerzen empfohlen.