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Orthopädische Privatpraxis
Dr. med. Eduard Chen
Berliner Platz 6
61476 Kronberg
Tel: 06173 – 60 11 70
Fax: 06173 – 60 11 79

Osteoporose

Die Osteoporose ist ein übermäßiger Abbau der Knochensubstanz,
der das ganze Skelett betrifft. Die Krankheit ist daher auch als
Knochenschwund bekannt. Typische Merkmale der Osteoporose
sind eine Abnahme der Knochenmasse und Verschlechterung
der Knochenarchitektur sowie als deren Folge eine Abnahme der
Knochenstabilität. Dies führt zu einer erhöhten Gefahr von
Knochenbrüchen.

Die Osteoporose ist eine zunächst unmerklich verlaufende Erkran-
kung, die aber im Fall von Knochenbrüchen, insbesondere bei alten
Menschen, eine hohe Krankheitslast (Schmerzen, Bettlägrigkeit,
manchmal dauerhafte Immobilisierung) bedeutet und mit jährlich
etwa 2,5-3 Mrd. Euro an direkten und indirekten Krankheitskosten
in Deutschland auch ein großes volkswirtschaftliches Gewicht hat.
Deshalb wurde sie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf
die Liste der zehn wichtigsten Erkrankungen gesetzt. Von Kritikern
wird angeführt, dass die Neubewertung der Osteoporose in den
letzten Jahren durch die Pharmaindustrie gesteuert sei, die einen
Absatzmarkt für neue Medikamente schaffen wolle. Andererseits
lässt sich erst seit etwa 1985 die Knochendichte zuverlässig
messen. Erst seitdem kann das Krankheitsbild vor dem Auftreten
von Knochenbrüchen erfasst werden. Man unterscheidet zwischen
primärer und sekundärer Osteoporose. Zur wesentlich häufigeren
primären Osteoporose zählen die postmenopausale (oder post-
klimakterische) Osteoporose und die Altersosteoporose
(Involutionsosteoporose).

Die sekundäre Osteoporose tritt u. a. als Folge von Stoffwechsel-
erkrankungen oder hormonellen Störungen auf. Man geht davon
aus, dass in Deutschland etwa 30 % aller Frauen nach dem
Klimakterium an primärer Osteoporose erkranken. Für Männer ist
ab dem 70. Lebensjahr die Altersosteoporose ein ebenso häufiges
Krankheitsbild. Knochenbrüche bei Osteoporose finden sich insbe-
sondere an den Wirbelkörpern der Wirbelsäule, am Oberschenkel-
hals und am Handgelenk.

Ursachen
- familiäre Veranlagung (Verwandte mit Osteoporose)
- Mangel an Sexualhormonen (durch eine Störung des Gleichge-
wichts zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau kommt es
zum Verlust an Knochenmasse); in diese Gruppe gehört auch die
postmenopausale Osteoporose und ein Teil der Osteoporose beim
Mann.
- bösartige Erkrankungen des Knochenmarks, Plasmozytom,
Morbus Kahler, die sich primär in einer schnellen Abnahme der
Knochendichte niederschlagen
- Schilddrüsenüberfunktion, übermäßige Cortison-Produktion der
Nebennierenrinde (Morbus Cushing)
- Störungen der Nebenschilddrüse Parathyreoidea
- Ernährungsfehler, also Mangel an Calcium und Vitamin D
(Calcium gibt dem Knochen seine Festigkeit und Vitamin D
regelt die Aufnahme von Calcium aus der Nahrung)
- Untergewicht Bewegungsmangel, da die bei Bewegung
auftretenden Maximalkräfte (insbesondere beim Springen, oder
bei geeignetem Training mit Zusatzgewichten) die Knochenmasse
und vor allem die Knochenfestigkeit vergrößert wird
(Mechanostat)
- Tabakrauch
- übermäßiger Alkoholkonsum
- hochdosierter und regelmäßiger Gebrauch bestimmter
Medikamente wie z. B. Cortison (zur Behandlung von Rheuma,
Asthma oder Allergien) oder Heparin (zur Hemmung der
Blutgerinnung)
- (Alternativmediziner sehen auch in einer hypothetischen
Übersäuerung des Körpers eine Ursache der Osteoporose.)
- Phosphor wird als „Calciumdieb" angesehen, hier kommt Coca-
Cola ins Gerede.

Der Stellenwert der Osteoporose als Erkrankung ist in den
Knochenbrüchen begründet, die vorwiegend die Wirbelkörper,
die Schenkelhälse und in geringerem Umfang auch die Speichen
betreffen. Die Heilung von Knochenbrüchen bei Osteoporose ist
nicht gestört, der Zeitrahmen ist der gleiche wie bei jüngeren
Menschen. Die Folgen der Brüche können jedoch vor allem bei
Älteren nachhaltig sein und unter Umständen zum Tode führen.

Diagnostik
Zur Diagnose wird die Knochendichtemessung herangezogen, bei
der der T-Wert ermittelt wird. Dies ist ein statistischer Wert, der
einen Vergleich des gemessenen Knochendichtewertes mit der
Population junger erwachsener Frauen und eine Aussage zum
Bruchrisiko ermöglicht. Zur Messung der Knochendichte (BMD -
engl. für bone mineral density) stehen verschiedene Techniken zur
Verfügung: Die verbreitetste ist die Dual-Röntgen-Absorptiometrie
(DXA oder DEXA - engl. dual-energy-x-ray-absorptiometry). Auf
ihr basiert auch die Definition der WHO und mit ihrer Hilfe wird
der T-Wert ermittelt. Eine weitere Methode stellt die quantitative
Computertomographie (QCT) dar. Auch die Messung der Knochen-
dichte mittels Ultraschall, dem sogenannten quantitativen Ultra-
schall (QUS) ist möglich. Die Aussagekraft ist für DXA und QCT
gut belegt, wobei sie für den QUS noch nicht vollständig unter-
sucht ist. Die Messung der Knochendichte muss der gesetzlich
Krankenversicherte selbst bezahlen, wenn sie zur Früherkennung
vorgenommen wird, da sie dann keine Leistung der Kassen ist.

Behandlungsmöglichkeiten der Osteoporose
- körperliche Aktivität schützt vor Knochenschwund, insbesondere
exzentrisches (bremsendes) Krafttraining. Besonders wirkungs-
voll ist auch das Schwingen auf hochelastischen Minitrampolinen
- ausreichendes Sonnenlicht (fördert die Vitamin-D-Produktion der
Haut)
- vermehrte Calcium-Aufnahme (etwa 1 g/Tag) (Basistherapie
DVO)
- Einnahme (Supplementierung) mit Vitamin D (Cholecalciferol)
- Bisphosphonate (Alendronat, Ibandronat und Risedronat,
Handelsnamen Fosamax(r)/Fosavance(r), Bonviva(r) und
Actonel(r))
- Selektive ÖstrogenRezeptorModulatoren (SERM): Raloxifen
(nur zur Verhinderung von Wirbelkörperfrakturen)
oder
- Parathormon (Teriparatid = Parathormonanalogon, für
Spezialindikationen, Handelsname Forsteo(r))
- Strontium (Zulassung von Protelos(r) seit 2004; die
Knochendichtemessungen werden durch die Einlagerung von
Strontium verfälscht, was an der LWS (nicht aber am prox.
Femur) durch Anwendung eines Umrechnungsfaktors zum Teil
kompensiert werden kann)

Komplementärmedizin:
- Einnahme von Basensalzmischungen (Übersäuerung des Körpers
führt zu verstärktem Knochenschwund, da Calciumsalze als
Puffersubstanzen Verwendung finden.)
- Magnetfeldtherapie: pulsierende elektromagnetische Felder sollen
den Knochenaufbau stimulieren. Eine wissenschaftliche
Bestätigung hierfür gibt es nicht.
- Vibrationstraining - auch biomechanische Stimulation: BMS wurde
ursprünglich zur Behandlung von russischen Kosmonauten ent-
wickelt: Die zu behandelnde Person steht auf einer vibrierenden
Platte, die in einem Frequenzbereich von 20 bis etwa 50 Hz
vibriert und durch den Dehnreflex Muskelkontraktionen hervor-
ruft. Die dabei auftretenden Kräfte können den Knochen zum
Wachstum stimulieren (Mechanostat).

Prävention osteoporotischer Frakturen
Eine effektive Methode, um osteoporotischen Oberschenkelhals-
frakturen vorzubeugen, ist der Einsatz von Hüftprotektoren.