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Orthopädische Privatpraxis
Dr. med. Eduard Chen
Berliner Platz 6
61476 Kronberg
Tel: 06173 – 60 11 70
Fax: 06173 – 60 11 79

Lokale Injektionen

Zur gezielten medikamentösen Behandlung von Erkrankungen des
Bewegungsapparates bieten sich lokale Injektionen oft an.

Die Vorteile sind: Schnellerer Wirkzeitpunkt, längere Verweildauer
und Abwesenheit von intestinalen Nebenwirkungen (z.B. Magenbe-
schwerden) bei geringer Medikamentendosis.

Je nach Anwendungsort und –indikation stehen hier verschiedene
Mittel zu Verfügung. Meistens kommen Lokalanästhetika zur kurz-
fristigen Schmerzlinderung, pflanzliche Präparate (z.B. Traumeel,
Zeel o.ä.) und Cortison bei chronischen bzw. degenerativen
Prozessen zur Anwendung.

Speziell bei arthrotischen Gelenkerkrankungen haben sich
Hyaluronsäure-Präparate bewährt. Aufgrund der Besonderheit
dieser Substanz wird diese hier ausführlicher dargestellt.

Hyaluronsäure

Funktionen

Hyaluronsäure erfüllt im Körper viele Funktionen, wobei die zahl-
reichen verschiedenen chemisch-physikalischen Eigenschaften
dieser Verbindung ausgenutzt werden.

Mechanische Funktionen

Wasserspeicherung
Die Hyaluronsäure besitzt die Fähigkeit, relativ zu ihrer Masse
sehr große Mengen an Wasser zu binden (bis zu sechs Liter
Wasser pro Gramm). So besteht der Glaskörper des Auges zu
98 % aus Wasser, das an nur 2 % Hyaluronsäure gebunden ist.

Druckbeständigkeit
Wasser ist nur sehr wenig komprimierbar und gibt diese Eigen-
schaft auch an hyaluronsäurehaltiges Gewebe weiter, in dem wie
oben erwähnt sehr viel Wasser gebunden werden kann. Dies gilt
allgemein für große Teile des Bindegewebes, spezielle Bedeutung
hat diese Tatsache während der Embryonalentwicklung, wenn
feste Strukturen noch nicht entwickelt sind. Ein weiteres
bekanntes Beispiel ist der Nucleus pulposus, der Gallertkern der
Bandscheiben, der so große Teile des Körpergewichts tragen kann.

Schmiermittel
Die Hyaluronsäure ist Hauptbestandteil der Synovia (Gelenk-
flüssigkeit) und wirkt als Schmiermittel bei allen Gelenkbewe-
gungen. Sie zeichnet sich hier zusätzlich durch thixotrope Eigen-
schaften aus: Ihre Viskosität verändert sich mit einwirkenden
mechanischen Kräften, genauer nimmt die Viskosität ab, je stär-
ker die Scherkräfte werden. Zudem ist sie zwar flüssig, aber
durch ihre hochmolekulare Gestalt viskos genug, das sie nicht
wie Wasser aus dem Gelenk herausgepresst wird. Zudem "haftet"
sie durch chemische Wechselwirkungen und die äußere Form
besonders gut am Knorpel des Gelenks.
Wirken nun im Anfang einer Bewegung, zum Beispiel im Kniegelenk
bei Absprung oder beim Stehen, starke Druckkräfte auf ein Ge-
lenk, knäulen sich die Moleküle zu Kugeln zusammen und hängen
wie in einem Kugellager an der Knorpeloberfläche. Wenn aber eine
schnelle Scherbewegung nötig ist, so zum Beispiel beim Lauf, wird
die Zähigkeit der Hyaluronsäure wegen ihrer Thixotropie herab-
gesetzt und die Reibung verringert.

Freihalten von Wegen
Für wanderende Zellen hält die Hyaluronsäure die "Verkehrs-
wege" frei. Durch Erweiterung der Zellzwischenräume (Abstände
zwischen den Zellen) wird die Migration (Wanderung) der Zellen
unterstützt.

Einsatz in der Medizin

Seit etwa 1990 werden Hyaluronsäurepräparate in kranke Gelenke
gespritzt. Die Wirksamkeit ist recht unterschiedlich. Bei vielen
Leuten wirkt es funktionsverbessernd, eine deutliche Besserung
wird für 6 bis 12 Monate angegeben. Bei manchen Leuten ergibt
sich keine deutliche Besserung, eine Vorhersage ist kaum möglich.
Manchmal kommt es zu dramatischen allergischen Reaktionen mit
schweren Gelenkergüssen. Das beruhigt sich zwar nach ein paar
Tagen wieder, aber das Ziel der Behandlung, die Funktion des
Gelenkes zu verbessern, wird dann überhaupt nicht erreicht. Die
Krankenkassen übernehmen die Kosten für diese Medikamente in
der Regel nicht. Die allergischen Reaktionen waren anfangs durch
die Tatsache bedingt, dass die Hyaluronsäure-Produkte früher aus
Hahnenkämmen hergestellt wurden und daher Spuren von Hühner-
protein enthielten. Seit die Hyaluronsäure-Produkte gentechnisch
hergestellt werden, sind allergische Reaktionen äußerst selten.